Was auf alle Genrebezeichnungen in der Popmusik zutrifft, das prägt auch den Umgang mit der Kategorie „Soul Music“: Unter ein und demselben Begriff sind viele verschiedene Spielformen, Sounds, Trends und Musiker vereinigt. Es fallen Ausnahmekünstler wie Otis Redding, Marvin Gaye oder Isaac Hayes darunter (afroamerikanische Musiker der 1960er und 1970er Jahre), man könnte den Begriff ebenso an Plattenlabels binden (Motown oder Stax), aber auch eine moderne Vocal-Group wie All Saints, das Produzentenduo The Neptunes, die Sängerin Beyonce oder Mayer Hawthorne werden dazu gerechnet. Namhafte Soul-Künstler gibt es in nahezu unüberschaubarer Anzahl, ihr Einfluss auf den Mainstream der Popmusik war zu allen Zeiten enorm. Sie entziehen sich indes einer einheitlichen Definition, doch das ist kein Nachteil, sondern vielmehr Symptom für zwei der wichtigsten Eigenschaften der Popmusik: ihre Lebendigkeit und Wandlungsfähigkeit.

Historisch betrachtet ist festzustellen, dass der Begriff „Soul“ in den 1960er Jahren als Genrebezeichnung für die populäre Musik der Afroamerikaner aufkam und bald auch in den Billboard Charts den bis dahin bevorzugten Begriff „Rhythm & Blues“ ersetzte. Soul als Konzept stand aber gleichzeitig im Zusammenhang mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins der Afroamerikaner, die sich in einer Gemeinschaft von „Soulbrothers“ und „Soulsisters“ zusammenfanden zur Rückbesinnung auf ihre eigenständigen Traditionen. Musikalisch geht der Soul auf den Gospel zurück mit seinem emotionalen Gesang, den Frage-Antwort-Strukturen, den Backgroundchören, den interpunktierenden Bläserriffs und dem treibenden Begleitrhythmus.